311211

Meine Lippen tragen Verbitterung wie einen Mantel, den sie gerade abstreifen. Nur in den Mundwinkeln hängen noch die Ärmel, ziehen sie nach unten und erinnern an ihre Anwesenheit. Meine Augen haben das längst vergessen. Sie sind es gewohnt, in die Zukunft zu blicken. So sehr, dass sie die Gegenwart schon lange nicht mehr sehen können. So sehr, dass das Jetzt beinahe nicht mehr existiert. Mein Herz folgt meinen Augen, flieht mit ihnen in ein Morgen, von dem beide nichts wissen, aber da sie das Jetzt kennen, wissen sie, was sie nicht wollen. Im Morgen kann es nur anders sein und anders ist im Heute immer besser.

Zurück bleiben zwei hängende Mundwinkel, irgendwer muss der Gegenwart schließlich Paroli bieten. Ihr sagen, dass sie nicht ist, was sie sein sollte. Sobald sie Zukunft ist, bin ich wieder vollständig.

[Die Zukunft beginnt immer morgen. Genauso wie Diäten, Arbeiten für die Uni, Vorsätze und Lebensänderungen. Morgen ist immer noch genug Zeit da – glaubt man. Bis irgendwann kein Morgen mehr übrig ist. Aber wie immer gilt: Im neuen Jahr wird alles anders, wird nichts anders und kann kommen, was vorher nicht war. Guten Rutsch ins Nichts und Nirgendwo, ins Morgen und Irgendwas.]

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