050112

Hätte ich eine Hose an, würde ich meine Hände in den Taschen vergraben, sie zu kindischen und kleinen Fäusten ballen und meine Gedanken in den Stoff hinein drängen. Aber mein Rock hat keine Taschen. Ich habe nie verstanden, warum die Schneider ihre Kinderhände nicht beauftragen, Taschen auf Röcke zu nähen. Als würden sie davon ausgehen, dass Frauen immer Handtaschen auf den Leib gebunden und keine Fäuste haben, die ein Versteck suchen.

Bunt wirbelnde Gedankenspulen in der finsteren Verworrenheit meines Kopfes. In sich selbst verdrehte Spiralen, deren Mitte von der Schwere gezogen nach unten sinkt, in die Tiefe sickert und leise platzend im Nichts erstickt. Vielleicht ein wenig im- und explodiert, als könnte sich auch die Vernichtung nicht entscheiden, welchen Weg sie wählt. Ein bisschen hier, ein bisschen da. Gerade genug, um eine Entscheidung vorzugaukeln, die keine ist. Gerade genug, um in beide Richtungen gestrebt zu sein, aber nicht genug, um wirklich zu wissen, was nun richtig oder falsch gewesen wäre. Am Ende kommt es darauf nicht mehr an. Am Ende ist ein Ende: ohne und mit Richtig, ohne und mit Falschheit.

Grauer Stoff, der über nass warme Haut reibt und dunkle Tropfen, die langsam von deiner Stirn tropfen. Dieser Moment der Stille zwischen uns, der gefüllt ist mit Worten, die keiner spricht, weil sie nicht gesprochen werden müssen. Dein Blick ist fahrig, meiner verschweigend. Dein Atem angestrengt, meiner gedrückt.

Ein Scherz, leise ins Gespräch geworfen, und zwei Augenpaare, die innehalten. Gemeinsames Einatmen, Nichtgesprochenes und zurückkehrende Routine.

Advertisements

3 Gedanken zu „050112

  1. Hast du das geschrieben?
    Das hast du geschrieben!! (sonst würde da ja etwas anderes stehen.)
    Mir fehlen fast die Worte.
    Warum nur, schürft die Verzweiflung das Poetische in uns heraus, wie Menschen aus Bergen das Gold? Warum darf sie das, warum kann sie? Vielleicht wäre sie ohne dem, noch ein Stückchen mehr, nicht zu ertragen?
    Jetzt konnt ich das worten doch nicht lassen und auch das werten nicht, aber ich wollte dich wenigstens etwas wissen lassen! Liebe Grüße! Mary

  2. Jetzt hielt ich kurz inne und fragte mich, ob du last, was ich zuerst schreiben wollte, aber das kann ja gar nicht sein.
    Die Worte wollten nicht kommen, ich probierte rum und löschte immer wieder. Und erst entstand da was über die Verzweiflung, die die Worte hervorlockt. Die Traurigkeit, die Kreatives schafft.
    Kennst du „Vincent“ von Joey Goebel?:
    „Es stimmt, was die Leute sagen – das Leben ist ungerecht, vor allem zu Dir. Und ich kann Dir nur einen Trost bieten: Was Du in all dem Leid und der Einsamkeit zustande bringst, wird Deine Verzweiflung und unsere Grausamkeit bei weitem überdauern. Unsere Folter ist vergänglich, Dein Werk währt ewig. So gesehen, werden wir auf
    lange Sicht alle gewinnen.“ (http://www.bilandia.de/Vincent/leseprobe/lp/9783257064858) Daran musste ich denken.

  3. Nein, das kann nicht sein. Das ist eines der Wunder der Worte. Und es ist wie Mützenfalterin es schrieb: Die Sprache, die immer mehr weiß, als der, der sie spricht.

    Ich kenne dein beschriebenes Gefühl, diese Wortlosigkeit, die wie ein Fluch und eine bleierne Bettdecke auf einem liegt, einem den Mund zu klebt, während wir schreien wollen und das Atmen längst aufgegeben haben.
    Und dann, irgendwann eine zeitlose Weile später, schürft es etwas aus uns heraus. Es tut weh, es schreibt sich ohne uns, und dann, dann ein wenig Erleichterung. Ein wenig weniger Betäubt-sein.

    Dein Zitat gefällt mir gut und danke für den Link!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s