190112

Fenster wie Schlüssellöcher, aufragend aus der Dunkelheit, gespickt mit schwach flackernden Flammenlichtern. Blind spiegelnde Scheiben auf weiter Flur und ein aufgeworfenes Fremdich auf dem Glatt, den Blick verwehrend auf das Innen, das sich mir entzieht.

Die Straßen sind leer und glatt. Scharf bröckelnder Frost liegt wie eine zweite Haut auf der eisernen eisigen Oberfläche der Laternenstämme. Leuchtbäume der Stadt, die das Grün der Welt ersetzen wollen. Meine Füße rutschen haltlos über den Weg, meine Beine finden keinen Halt, mein Körper sucht Sicherheit und findet nur das fallende Rutschen, das zu einem rutschenden Fall wird. In der Luft liegt Kalt. Mein Atem bleibt als schwacher Dunst vor meinen Lippen liegen, gefüllt mit Ungesagtem, gefüllt mit allen Wahrheiten und Lügen meiner Welt, die träge zerplatzen, wenn mein Körper meinem Mund hinterher strebt und sie durchdringt wie nie dagewesen.

In meinem Kopf ein hohles Summen tausender Gedanken, die wie aufgebrachte Bienen zerren, stechen und sterben. Ein Abschied mit Geräusch, ein Klangende, ein auf Wiedersehen mit zusammengekniffenen Augen, um die Salztropfen nicht im Eis erstarren zu sehen.

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8 Gedanken zu „190112

  1. „Fenster wie Schlüssellöcher“ Du schreibst keine Geschichte. Du schreibst Stimmungen. Diese hier erzählt die Geschichte von jemanden, dem seine Umgebung völlig entgleitet, der nicht einmal in Worten noch Halt findet, der mit Licht keine Wärme mehr verbinden kann. Sie hinterlässt in mir den Wunsch, zu trösten, zu wärmen, erzählen zu lassen.

  2. Zwischen den Zeile lesen kann man immer nur das, was man selbst auch kennt. [Man erkennt das, was man kennt doch immer am besten.]
    Ich kann dir nur empfehlen: Heraus mit dem Zeug! Spucke es aus! Auch wenn es Dir manchmal so scheint, als könntest du nicht.
    Schreibe. Irgendwann bringt es Erleichterung und irgendwann hältst du einen Stadtplan deiner Ängste und Traurigkeiten, der gibt dir halt und dann kannst du ihnen besser begegnen, kennst dich ein wenig besser. Das Wort ist nicht immer schlecht, selbst wenn es uns den Mund verbietet und nicht immer gestaltet es die Wirklichkeit. Manchmal löst es sie auch auf. [Entschuldige die vielen, wirren Worte. Nimm dir, was du magst und schmeiß den Rest ruhig weg.]

  3. Manchmal ist schreiben so schwer. Ich plane das nicht. Den Inhalt, die Worte, den Text. Ich warte, bis ein Gefühl hinaus will und schreibe, ohne zu sehen, was ich schreibe. Meist weiß ich es erst, wenn jemand kommentiert und darauf reagiert. Vorher ist es für mich oft „nur ein Text“.

      • Ich glaube, ich schreibe generell ganz gut, aber irgendwie fragt man sich nach ner Weile, was das wert ist, wenn man ansonsten alles nur durchschnittlich gut kann ; )

      • Das ist eine merkwürdige Frage!
        Was würdest du denn lieber können? Eine Freundin ist in vielen Bereichen hochbegabt und genau das paralysiert sie, die kann sich für nichts richtig entscheiden oder begeistern. Sie leidet wirklich darunter. Und ich persönlich wäre froh, wenn ich eine Sache besonder gut könnt. Auch ohne hochbegabt zu sein.

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