170412

Wir können uns nicht entscheiden, ob er noch Junge oder schon Mann ist. Sein Oberkörper glänzt matt im Sonnenschein, als er Anlauf nimmt und auf eine Mauer zu rennt, abhebt, kurz fliegt, ihren Rand ertastet und sich elegant nach oben schwingt. Wir starren mit offenem Mund. Wir starren, weil er schön ist. Seine dunklen, braunen Haare, seine Hüftknochen und das Spiel seiner Muskeln, das Lächeln in seinen Mundwinkeln, das Blitzen in seinen Augen, aber auch die Art, mit der er sich bewegt. Die zarte Leichtigkeit einer Katze in den Schritten, die träge Zufriedenheit. Unbesorgt winkt er ab, als sein Freund ihm Hilfestellung geben will, springt wieder die Mauer hoch, klettert so gewandt, dass wir uns fragen, ob es wirklich so leicht ist.

Er ist zu schön, als dass wir ihn ziehen lassen könnten. Wie von selbst folgen unsere Füße seinen. Das frisch übergestreifte Shirt bewegt sich in seinem Rücken zusammen mit seinen Schulterflügeln. Im Laden ist kein Sonnenlicht. Künstliches Licht lässt ihn blasser aussehen, aber nur ein wenig. Er riecht nach Sommer. Hinter der Kasse hören wir seine Stimme, die ein Lachen in sich trägt, so frank und frei wie der Wind. Vor dem Laden schwingt er sich auf ein Fahrrad und fährt aus unserem Leben, ohne zu wissen, dass er es überhaupt berührte. Wir schauen ihm nach. Ich würde mich gerne so fühlen wie er.

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