120512

Ich drücke mir kalt gewässertes Klopapier auf die Augen, um wach zu werden und denke dabei an Schönheitstipps, die eisgekühlte Löffel enthalten. Dabei will ich nur aufwachen. An manchen Tagen ist es schwieriger als an anderen. Es ist nicht Müdigkeit, die mich gefangen hält, es ist Schläfrigkeit. Den ganzen Tag hindurch könnte ich schlafen. Erst abends werde ich wacher, erst nachts bin ich da. Dann, wenn ich eigentlich schlafen sollte. Manchmal glaube ich, es ist nur ein weiterer Ort, der zeigt, dass ich nicht dort lebe.

Alle meine Pläne finden morgen statt. Nur, dass morgen immer morgen bleibt. Morgen gehe ich zur Uni. Morgen schreibe ich die E-Mail. Morgen koche ich gesund. Morgen sage ich dir, dass ich dich will.

Ich lebe in meinem Kopf. An manchen Tagen viel zu sehr. Aber die Welt um mich herum geht weiter. Wenn ich aufwache, ist sie nicht mehr das, was sie war, als ich einschlief und ich finde mich nicht zurecht.

Irgendwie habe ich mich immer durch geschummelt. Irgendwie hat es immer funktioniert. Irgendwann wurde es schwieriger. Jetzt.

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4 Gedanken zu „120512

    • Manchmal ist es besser, manchmal ist es schlimmer. Ich glaube, ich muss mich erst wieder daran gewöhnen, dass nicht alles „immer gut“ oder „immer schlecht“ ist, um besser mit dem Wechsel umgehen zu können. Das, was für fast jeden „normal“ ist, dass es mal besser und mal schlechter ist, ist für mich .. anders. Für mich war lange Zeit alles nur eine Abstufung von schlecht, schlechter und Abgrund. Jetzt langsam finde ich auch wieder dahin zurück, dass vieles auch gut sein kann, aber wenn es dann doch wieder mal schlechter ist, reißt mich das jedes Mal in ein Tief, weil ich Angst bekomme, dass es wieder auf „schlecht, schlechter und Abgrund“ zusteuert, auch wenn es nicht so ist.

      • Diese Gedanken und Gefühle lesen sich so vertraut…
        Und gerade diese Angst die aufkommt, wenn es mir wieder mal schlechter geht, wieder vollends zu stürzen, befällt mich jedes mal. Mittlerweile merke ich schon frühzeitig(er als früher), wenn es abwärts geht und zwinge mich dann meistens – so lange das noch geht – , Dinge zu tun, von denen ich weiss, dass sie mir früher schon geholfen haben. Und dann rede ich mir mantramäßig ein, dass ich da schonmal rausgekommen bin und dass ich das wieder schaffen werde. Nicht immer, aber manchmal hilft das, den Fall etwas abzufedern.

        Liebe Grüße! Ich weiss nicht, ob es vielleicht ein bisschen tröstet, zu lesen, dass du zumindest mit diesen Gedanken und Gefühlen nicht alleine in dieser unverständlichen Welt bist.

  1. This is beautiful.

    I know it’s a metaphor, a way of describing not fitting in the world — how many of us do? But don’t underestimate the sheer difficulty of living a life outside of the circadian rhythms that your body wants to follow. It’s a daily struggle, a war you have to fight with yourself just to „prepare a face to meet the faces that you meet.“ I always want to advise people: be ruthless about your sleep, buy blackout curtains, wear earmuffs, hire armed guards! Anything it takes.

    (Forgive my English! I read German well enough still, but producing it is beyond me these days.)

    And as for cheating, if I understand you, I think the world calls for a bit of cheating, at least until the New Jerusalem. We weren’t really consulted on the rules!

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