170512

Es hagelt, kurz nachdem wir das Haus verlassen haben. Kleine, pieksende Körner, die nicht wirklich schmerzen. Aber sie sind kalt und zerlaufen zu nassen Rinnsalen, sobald sie uns treffen. Noch bevor wir einander sagen können, dass es hagelt, hat es schon wieder aufgehört. Vielleicht war es nur ein gemeinsamer Traum, der zwischen uns zerronnen ist. Nicht mehr als das.

Unter den Bäumen schreiten wir über eine Brücke. Auf Brücken muss man schreiten, man kann nicht einfach nur gehen. Nicht, wenn sie fließendes Wasser überspannen, das aufgeregt brausend dahin rauscht. Als ich hinab gucke, wirbeln weiße Blüten durch die Stromschnellen. Weiße Blüten und einige dünne Zweige, die sich im Flusskies verhaken, ehe sie von der Strömung losgetreten werden und weiter wirbeln, um irgendwo dort zu landen, wo das Wasser sich beruhigt.

Das Supermarktlicht ist kalt und steril. Wie immer. Wir stehen kurz hinter der Eingangstür, als wir überlegen, ob es nicht sinniger wäre, einen Einkaufswagen für uns zu beanspruchen. Klimpernd suchen wir nach Bargeld. Eine Frau steht neben uns und tut dasselbe. Wir können wieder durch den Eingang raus, sagt einer von uns, nachdem wir uns die langen Kassenschlangen ansahen. Als die Tür von einem Vater mit seinem Sohn zum Aufmachen getrieben wird, schlüpfen wir hinaus. Die Frau, ganz in ihrer eigenen Welt, bleibt in der Mitte stehen. Dies ist kein Ausgang, brüllt eine Sirene. Ich habe das Gefühl, alle starren uns an. Wir hüpfen ein wenig überfordert durch die sich bereits schließende Tür und holen uns einen Wagen. Erst, als wir wieder reingehen, kann die in der Mitte gefangene Frau den Eingang als Ausgang benutzen und wieder geht die Sirene los. Wie kann man so pedantisch sein. Wieso darf ich nicht die Tür benutzen, die mir am nächsten ist? Hat der Supermarkt so wenig Vertrauen in seine Kunden, dass er ein Chaos befürchtet? Oder so wenig Vertrauen in sich selbst, dass er kein Chaos unterbinden kann?

Vom Winde verweht geht beinahe vier Stunden und hat laut Wikipedia nicht einmal ein Happy End, schreit sie mir morgens entgegen und schaltet nach den ersten zwei Stunden woanders hin. Ohne Happy End macht Warten doch keinen Sinn, denke ich, ihr insgeheim zustimmend, aber wenn ich auf das Leben blicke, frage ich mich, wieso wir trotzdem warten.

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