180512

Ich sitze auf einer Bank. Der Wind bauscht meinen Rock und ich muss lächeln. Hallo, sagt die Frau neben mir und dass der Bus immer zu spät kommt, das sagt sie auch. Wenn man es nicht eilig hat, ist das nicht schlimm, antworte ich und wieder weht der Wind. Ihr Haar ist ein bisschen gelb und ein bisschen grau. Ich muss an das Silbershampoo denken, das in meiner Dusche steht. Damit kriegt man den Gelbstich aus den Haaren, wurde mir erklärt. Hat nicht funktioniert, ist inzwischen aber egal, weil sie jetzt rot sind. Ein kleiner Junge starrt mich an. Ich starre zurück. Er zeigt mir eine Schramme an seinem Arm und guckt ein wenig stolz. Als Kind darf man sich über Narben noch freuen.

Wenn ich die Augen zu mache, sobald der Wind aufkommt, habe ich das Gefühl, einfach zu verschwinden. Ich würde den Jungen gerne fragen, ob ich noch da bin oder schon weg, aber seine Mutter guckt mich schon so streng an. Mit solchen wie mir soll ihr Junge nicht reden. So welche mit roten Haaren und Piercings. Das ist Pfui. Ihr Blick spricht Bände. Meiner auch.

Ich steige wahllos in irgendeinen Bus ein. Von hier aus bringen mich alle ans Ziel.

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