130612

Es macht mir Angst, wenn ich keine Worte finde. Wenn ich versuche, etwas zu schreiben und alles sich falsch anfühlt. So falsch, dass sich nichts davon in Sätze pressen lässt.

Manchmal träume ich von meinem Dad. Am Anfang waren es Alpträume. Szenen, die mich in einem Haus nach ihm suchen ließen, wissend, dass er gerade stirbt und wenn ich nur schnell genug sein könnte, wäre es zu verhindern. Aber ich war nie schnell genug. Inzwischen haben sich die Träume gewandelt. Es sind Alltagssituationen, in denen ich ihm begegne. Manchmal wache ich mit seiner Stimme im Ohr auf. Manchmal mit seinem Lächeln vor meinen Augen oder dem Geruch seines Büros in der Nase. Eine Mischung aus Papier, aus Bleibuchstaben und Druckpressen. Der klebrige Geruch von noch nicht trockener Tinte, die sich auf Papier und Händen befindet. Du musst die Kordel fester ziehen. Ich weiß nicht, wie oft er mir das sagte, aber meine Buchstaben fielen immer auseinander. Die Ecken, Hannah, es kommt auf die Ecken an. Meine Ecken flatterten lose im Wind. Aber mir waren die Holzbuchstaben ohnehin immer lieber. Handschmeichler nannte er sie oft und genau das waren sie. Es gibt kaum etwas Schöneres als von Tinte und Farbe befreite, alte Holzlettern. Man kann die Formen mit den Fingern nachfahren und Worte fühlen.

Es gibt keine endgültigen Wahrheiten. Ich sollte aufhören, nach ihnen zu suchen.

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