100712

Ein Sonnenstrahl liegt auf meiner Schulter und der Wind weht. Ich liebe das Gefühl, wenn der Wind weht. Wenn die Welt in Bewegung ist. Wenn sie ganz wirklich da ist und ich sie spüren kann.

Einige Stunden lang sitzen wir an einem Holztisch, auf einer Holzbank, unter der Sonne und mitten im Wind. Worte fliegen hin und her, ein Lachen fällt, ein anderes folgt. Nach einer Weile beobachte ich andere Menschen. Sie sitzen da, so wie wir hier sitzen. Sie unterhalten sich. Einige lernen. Zwei Mädchen haben Pommes. Ich bin ein bisschen neidisch, aber immerhin liegt auf meinem Brötchen eine Gurkenscheibe. Die Tomate habe ich ihr geschenkt, weil sie die mag. Ich weniger. Die Schale ist immer spürbar, liegt glatt auf der Zunge und umrundet das oft mehlige oder glitschige Innere. Der Geschmack ist eigentlich lecker, die Konsistenz nur nicht. Am schlimmsten sind ganze Tomaten. Diese kleinen, die man komplett in den Mund nehmen kann. Sobald man drauf beißt, platzen sie. Schlimmes Gefühl. Keine Tomaten für mich.

Im Bus schiebt sich jeder an den anderen. Ich habe fremde Körperteile an eigenen, an denen ich keine fremden haben will. Hinter mir steht ein Mann. Ich fühle, wie er atmet. Warm. Warm und viel zu nah, aber ich drehe mich nicht um. Ich will nicht wissen, wer mir in den Nacken atmet. Ich will nicht wissen, wer gegen meinen Rücken drückt. Stattdessen beobachte ich die alte Dame, die auf einem hohen Sitz thront und in jeder Kurve ein wenig mit dem Kopf wackelt. Als könne ihr Hals das Gewicht nicht mehr lange tragen. Als hätte auch sie warmen Atem im Nacken, der dort nicht hingehört.

Manchmal denke ich an dich, wenn ich an sonst nichts denke. Manchmal frage ich mich dann, warum du bist, wie du bist und warum es immer anstrengend sein muss, mit dir zu sein. Andererseits ist es auch anstrengend, alleine zu sein. Spräche ich jetzt mit dir, würde ich dir sagen, dass ich Erdbeeren aß, die beinahe zu süß waren. Nur ihre Mitte war ein wenig sauer. Die Erdbeeren haben mich an dich erinnert. Schwer vorherzusehen, überraschend und zum Ende hin beinahe unangenehm. Aber erst dann, wenn nichts mehr da ist, was das letzte Bisschen überschatten könnte. Erst dann, wenn die Süße nachlässt.

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