240712

Ich lag rücklings auf dem Steinboden vor der Tür einer katholischen Kirche. Mitten in der Sonne. Wäre Gottesdienst gewesen, sie hätten mich platt getrampelt. Aber der Boden war so warm und sauber. Ich habe mich bemüht, nicht zu fluchen oder zu oft „Oh Gott“ zu sagen. Und ich habe K. jedes Mal streng angeguckt, wenn etwas nicht-kirchliches erklang. Insgesamt habe ich mich ganz kirchlich verhalten. Abgesehen davon, dass ich rücklings auf dem Steinboden vor der Tür einer katholischen Kirche lag. Mein inneres Ich wies mich pikiert darauf hin, dass man so etwas nicht tut, kam aber nicht gegen die Überzeugungskraft der Sonne an.

Damals. Früher. Meine Schule hatte einen eigenen Gottesdienstraum. Mit Altar, mit Kreuz, mit Podest und Spitzendeckchen, mit Weihrauch- und Holzgeruch. Im Gesicht des Pastors lag immer ein Lachen. Kein gütiges Lächeln, ein Lachen. Ein Lachen wie von einem Kind, das jederzeit ausbrechen konnte. Hinter uns saßen die Nonnen. Wenn man sich in die Bank knien sollte, gab es keine Tricks. Sie sahen alles. Es war nicht Gott, der uns zur Ruhe rief, es waren die Nonnen, während der Priester glucksend in dich hinein kicherte, weil er wusste, wie unbequem die Holzbänke sind.

Ich vermisse sein Lachen. Ich frage mich, was sich dahinter verbarg. Ein Kind vielleicht.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s