080812

Er ist ein Mann, der gerne redet, aber keiner, der sich gerne reden hört. Der Mann mit den wasserblauen Augen, der immer hier oder dort auf einem Stuhl sitzt, das weiße Haar ganz akkurat gekämmt und ein Lächeln auf dem Lippen, das er jedem schenkt. Wenn ich an ihm vorbei gehe, grüße ich, er grüßt zurück. Es ist ein Spiel, das wir seit Jahren spielen. Es ist ein Spiel, dessen Regeln er heute verändert hat.

Setz dich doch. Die Stühle stehen vor einem Friseur-Salon. Es riecht gut, es duftet. Er duzt mich, während ich ihn sieze. Sowas tue ich selten, aber vor ihm habe ich Respekt. Ich beobachte gerne Leute, sagt er, heute gab es noch nichts zu sehen, alles ist, wie es immer ist, aber vor zehn Jahren da bekam ich ein Waffeleisen geschenkt von meinen Töchtern. Er lächelt mich an und ich frage nicht, ob er sie vermisst, aber ganz sicher sind sie nicht hier. Er sieht nicht traurig aus, mehr so, als wäre er woanders. Nicht ganz da, irgendwo in seiner Welt, in der alles ist, wie es mal war und er sich nicht damit befassen muss, was jetzt ist.

Dann erzählt er von einer Pfifferlingterrine, von seiner Wohnung über dem Salon und von Feiernden gegenüber. Ich würde ihn gerne so viel fragen, aber er wirkt, als fiele ihm das Reden am leichtesten, wenn die Worte in ihre eigene Richtung ziehen.

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