121012

Träges Fließen. Fremde Finger auf der Haut und ein Lächeln, in das ich noch hinein wachsen muss.

Ich bin nicht alt genug. Nicht groß genug, um das ein oder andere zu bewältigen und trotzdem schon so alt, dass ich auf mich zurückblicke und mich frage, womit ich die Zeit vertan hab. Andere sammeln Papiere. Papiere, die immer länger werden und aufzeigen, was sie getan haben, aber nicht, wer sie sind. Ich bin nicht gut in solchen Dingen. In meinem Lebensordner sind keine Urkunden, dafür ein paar Kinderbilder, Karten und ein Brief von meinem Vater. Erinnerungen, aber keine Errungenschaften.

Vielleicht muss ich nichts geleistet haben, um zu sein, aber manchmal finde ich mich in diesem Konkurrenzkampf wieder, den andere kämpfen, den ich mitkämpfen soll, aber nicht kann. Dann frage ich mich, wer verantwortlich ist: Es oder ich.

Wer ich bin: Es oder ich.

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14 Gedanken zu „121012

  1. Solminore, klar ist das interessanter. Aber man kann auch beides haben, beides sein: Es und Ich. Man ist nicht das Eine oder das Andere. Und wenn Flimmersee den richtigen Weg gefunden hat, dann wird sie auch das Andere sein, ohne die Kinderbilder, Karten und Briefe weglegen zu müssen.

    ***

    Du musst nicht konkurrieren, um einen Weg zu gehen. Du kannst auch einfach nach vorne schauen und weitergehen. Dein Problem ist nicht die Konkurrenz, sondern die Entscheidung, welchen Weg du überhaupt gehen möchtest.

  2. Ich finde schon, dass die Konkurrenz etwas ist, mit dem man sich auseinandersetzen muss. Schliesslich ist man mittendrin, ob man nun will oder nicht. Vielleicht ist die Frage: Wie ernst man das nimmt. Fuer wie wichtig man es haelt, und sich selbst.

    • Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich mittendrin stecke in diesem Konkurrenzkampf, ohne gemerkt zu haben, dass ich mich hineingeworfen habe. Und dann stell ich mir genau diese Frage: Wie ernst ich es nehme. Aber .. wie ernst sollte man es nehmen?

  3. Nein. Du. Alles was ich beruflich erreicht habe, habe ich entweder alleine, fast immer aber doch mit anderen zusammen erreicht und nicht gegen andere. Konkurrenz kam mir schon in der Uni völlig absurd vor und in jenem „Echten Leben“, das nach der Uni wartete, entpuppte es sich endgültig als eine Idee jener, die nicht mehr drauf haben. Und was Urkunden und dergl. angeht: Auch die werden immer nur dann benutzt, wenn diejenigen, die darauf wertlegen, nicht die Fähigkeiten haben, an Hand echter Kriterien zu urteilen. Nein. Immer zuerst die Menschen! Immer.

    • Ich höre so oft Horrorgeschichten darüber, dass Chefs nur Leute einstellen, die tausende Praktika vorweisen können, Auslandsaufenthalte, Sprachkurse und -zertifikate .. Wenn ich mich daran messe, habe ich das Gefühl, gar nicht zu existieren.

      • Diese Horrorgeschichten sind genau das: Geschichten. Nur ein schlechter Personaler schaut nur auf Urkunden und Zertifikate. In einem Unternehmen aber zu arbeiten, wo Menschen nur aufgrund eines aufgemotzten Lebenslaufes eingestellt werden, ist nichts erstrebenswertes.
        Ein richtiger Personaler wird sich von der Geschichte überzeugen lassen, die Du ihm mit Deiner Bewerbung erzählst: wer Du bist, wo Du herkommst, welches Ziel Du erreichen willst und warum das gerade da sein soll, wo Du Dich bewirbst.
        Dieses Gefühl aber, angesichts dessen, was andere vorzuweisen haben, kaum zu existieren, kenne ich. Es ist niederschmetternd, bis man erkennt, dass es auch nur Papier ist, das besagt: da hat jemand etwas aufgeschrieben. Und Papier ist geduldig und verrät nicht, dass das sechsmonatige Auslandssemester vor allem ein Grundkurs im Saufen und Am-Strand-Liegen war.

  4. Sich mit Anderen zu vergleichen, mit deren Erkenntnissen, deren Erfolgen, deren Enttäuschungen, deren Entsagungen, bringt Dich aber nicht voran. Es kann Dir zeigen, wo Du stehst, was Du vielleicht noch erreichen willst und was nicht, aber Konkurrenz kann Dir nicht abnehmen, Dich jeden Tag wieder neu zu motivieren und jeden Tag wieder aufzustehen, um Deinen Weg zu gehen.
    Die Menschen, die ich am meisten bewundere, sind weder Es noch Ich, sie sind ganz. Nicht karrierebewusst oder sentimentalitätsverloren, sondern einfach nur da und freundlich und bestimmt. Das sind weder die Powermutter noch der Geschäftsführer (oder umgekehrt), sondern die Menschen, die in sich ruhen, die sich mögen, die sich akzeptiert haben, die wissen, dass alles seine Bestimmung und Richtung und Geschwindigkeit hat und braucht.
    Wer immer nur anderen folgt, verliert sich am Ende selbst. Wer sich selbst folgt, entdeckt so viel anderes. Manche Richtung, die man einschlägt, erweist sich erst dann als richtiger Weg, wann man stetig weit genug gegangen ist.

      • Ich habe die Vermutung, dass das auf alle Menschen zutrifft. Auch wenn das bei den einen heißt, dass sie ihren Hunger stillen wollen, und bei den anderen, dass sie eine Yacht an der Côte d’Azur brauchen. In beiden Extremen geht es darum zu erreichen, was sich richtig anfühlt. Und das ist auch der Weg, ganz zu werden: wirklich ehrlich zu sein zu sich selbst und dann das tun, was sich richtig anfühlt.
        Klingt einfach, ist aber eines der schwersten Dinge im Leben: ohne Zweifel, ohne Ungeduld sich selbst folgen.

    • Genau so. Und weißt du, was bei diesen Menschen für mich dazu gehört? Dass sie sich aus der Hektik des Konkurrierenz ausklinken, einfach, weil sie wissen, das, was sie tun, lieben sie – und alles andere ergibt sich dann.

      Diese Einstellung ist so schwer zu erlangen, dessen bin ich mir bewusst. Auch ich bin da noch lange nicht angekommen.

  5. Vielleicht, das glaube ich langsam, ist das auch eine Frage des Alters: je weiter man ist im Leben, desto weniger fühlt man sich allmächtig, desto weniger glaubt man, alles tun zu können. Dann fällt es auch einfacher, zu erkennen, was man will und kann, und wie man beides vereinen kann.
    Dann kann man auch darauf verzichten, sich mit anderen zu vergleichen, die ja doch immer andere Träume und Wünsche und Hoffnungen haben. Weil man vielleicht auch erkannt hat, dass die Träume der Anderen nicht den eigenen Weg zeigen.

    Das zu erkennen, ist schwierig, danach zu leben, sogar noch schwieriger. Ich wünsche mir manchmal, ich könnte schon so weit sein, mir selbst so sehr zu vertrauen.

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