211112

Manchmal macht es mir Angst, wie schnell sich alles verändert. Ich habe das Gefühl, dass es erst gestern war, als mein kleiner Bruder im Schlafanzug durch die Wohnung rannte, während Mama mich für die Schule fertig machte. Als hätte ich ihn noch gestern bei irgendeinem Videospiel fertig gemacht. Als wäre es erst ein paar Wochen her, dass mein Vater ihm zeigte, wie man Garnelen richtig isst.

Aber tatsächlich ist das alles so lange her, dass er am Wochenende schon von zu Hause auszieht, um sein Studium richtig zu beginnen. Er schreibt mir E-Mails anstelle von krakeligen Zettelchen. Er liest japanische Texte anstelle von Kinderbüchern. Er ist groß geworden, ohne, dass ich etwas davon merkte.

Wenn ich überlege, wie alt ich zu irgendeiner Zeit war, rechne ich zuerst aus, wie alt er war und addiere dann vier Jahre. Ich habe ein Foto von ihm im Portmonee. Ich glaube nicht, dass er das weiß. Vermutlich würde es ihn verwirren. Wir stehen uns nicht sehr nah. War standen uns nie wirklich nah. Aber er ist mein kleiner Bruder und ich hasse das Gefühl, dass er jetzt groß genug ist, um sich alleine der Welt zu stellen. Ich mag das Wissen nicht, dass er seine Schlachten nun alleine kämpfen muss. Ich will ihn lieber wieder zurück in die Höhle unter dem Schreibtisch ziehen, die wir uns gebaut hatten.

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