271112

Dunkle, kalte Straßen. Es riecht nach Frost und Stadt. Verschlafen blinzelnde Lampen mit altersschwachen Glühbirnen. Selbst die wollen um die Uhrzeit die Augen nicht geöffnet lassen. Lichtzucken, Schattenwandel. Aus einem wird jeder. In der Nacht sind Katzen grau, Menschen auch. Aber ich mag das Geräusch meiner Schritte, wenn die Welt noch schläft. Unbemerkt wie ein Geheimnis, das nicht viele teilen.

Ich denke ohne Schmerz an meinen Dad. Er mochte den Winter nie. Zu kalt, zu dunkel, zu einsam. Aus der Finsternis kommen die Gedanken und die Stille ist keine ausreichende Barriere. Wenn es schneit, wird alles weiß. Alles war weiß, als ich ihn in meinem ersten Stadtwinter aus der Fremde anrief. Ich bin eingeschneit, lache ich mit der Naivität eines Kindes, das mit grauem Schnee am Straßenrand aufgewachsen ist. Glitzernde Stille über den Nachbarhäusern und erste, knirschende Schritte mit meinem Dad am Telefon. Es ist doch nur Schnee wird meine Mutter mir später den Wind aus den Segeln nehmen, aber nicht er. Nicht mein Dad. Er denkt es sich vielleicht, aber durch meine Augen sieht es anders aus. Wir lachen am Telefon. Er stolz und glücklich, ich im Winterrausch.

Die Liebe meines Dads war grenzenlos. Seine Unterstützung auch. Er war kein perfekter Mensch, er war kein perfekter Vater, aber er gab mir immer das Gefühl, ihm ebenbürtig zu sein. Als wir zusammen im Schnee standen, er im Grau, ich im Weiß, wussten wir, dass wir einander verstehen. Was war sonst schon wichtig?

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