231212

Alles ist anders, wenn ich hier bin und nicht dort. Meine Sicherheit ging mir irgendwann während der Fahrt verloren. Autos drängen sich dicht an dicht, als wollten sie der ihnen eigenen Anonymität entkommen. Im Fenster neben mir sehe ich einen schwitzenden Mann, der eine Zigarette raucht, hinten im Auto plärrende Kinder, neben ihm eine verbissen ihre Lippen zusammenpressende Frau, die ihre Worte schon nach den ersten Ehejahren verloren hatte. Sehe ich Fremde oder sehe ich die Vergangenheit?

Schon nach dem ersten Tag kommen die Fragen, die sie am Telefon nicht mehr stellt, die jetzt aber herausplatzen, als wolle sie nicht meine Antworten sondern die Wahrheit in meinen Augen. Wie geht es dir, ich weiß das gar nicht mehr, dein Leben ist so weit weg von meinem und du entfernst dich immer weiter. Ich lasse mir nichts anmerken, will ihr nicht an den Kopf schleudern, dass sie genau das seit Jahren provoziert hat und ich mich gefangen sehe in der Notwendigkeit, sie aus allem herauszuhalten, um ihre undurchdachten Kommentierungen zu umgehen. Nimmst du die Tabletten immer noch, will sie wissen und ich antworte ja, ja, sicher nehme ich sie noch. Ich sage ihr nicht, wie es mir ginge, nähme ich sie nicht. Es ist vermutlich das, was sie eigentlich wissen will, aber es ist auch das, was sie nicht wissen darf, weil sonst die vermeintlichen Ratschläge wieder kämen. Die Sätze, die sie mir hinwirft wie Phrasen, mit denen sie mir sagt, dass ich mich zusammenreißen soll.

Ich reiße mich zusammen. Sehr.

Noch vier mal schlafen.

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2 Gedanken zu „231212

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