170813

Der Winter kommt. Ich kann den ersten Frost morgens schon beinah riechen und ich erinnere mich wieder, wie es ist, wenn Frostblumen an den Fensterscheiben wachsen und der Atem schon im Mund so kalt ist, dass die Zunge am Gaumen kleben bleibt. Ich mag die klirrende Kälte und das Schaben und Kratzen, wenn Autofahrer ihre Vierräder vom Eis befreien.

Als ich klein war, durfte ich meinem Papa dabei helfen. Die Handschuhe waren mir viel zu groß, der Saum hing mir in den Ellbogen und meine Knie gruben Kuhlen in den Schnee, der sich auf der Motorhaube gesammelt hatte. Er hielt mich dort fest und ich zog den Kratzer über die Eisschicht der Scheibe, bis mir langweilig wurde und ich die Handschuhe abschüttelte. In die obere rechte Ecke durfte ich meine Hand drücken. Von Innen konnte ich dann meine Finger beobachten, von denen Rinnsale liefen, die zu Sturzbächen wurden, bis das Eis im Fahrtwind von der Scheibe in den Grauschnee der Straße fiel.

Irgendwo dort verdunstet eine Kindheitserinnerung in der Wintersonne.

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